ARD, ZDF, die Verlage und das Internet – Eine (un)endliche Geschichte?

Auch wenn mit den Diskussionen um ACTA und Hinterbänkler, die dem Internet den Krieg erklären, gerade eigentlich genug Stoff liefern um sich aufzuregen, treibt mich etwas anderes viel mehr auf die Palme. Der seit Jahren andauernde Streit zwischen der ARD und ZDF auf der einen Seite und den Zeitungsverlagen auf der anderen Seite.

Ende 2010 hat dieser Streit mit dem Launch der tagesschau-App einen neuen Höhepunkt erreicht. Es ging vor Gericht wo man den beiden Streithähnen empfahl sich doch bitte außergerichtlich zu einigen. (DWDL.de 13.10.11) Diese Einigung soll nun laut einem taz Bericht näher gerückt sein. Stark vereinfacht gesagt, sollen sich ARD und ZDF auf Audio und Video beschränken (mit ein wenig beitragsbezogenem Textwerk) und die Verleger beschränken sich im Gegenzug auf ihr “Kerngeschäft” Text und Foto. Gleichzeitig sollen sie ein Lokalmonopol erhalten (DWDL.de 30.01.12)

All das, damit die Zeitungsverlage überleben.
Wenn ich sowas lese, könnte ich die Wände hochgehen. Die gleiche Begründung hat uns die massenhafte Depublizierung von Inhalten beschert mit Fristenregelungen, die fast keiner versteht. Auch möchte man damit ein Leistungsschutzrecht durchsetzen, was leider in meinem eigenen politischen Laden immer noch auf zu viele offene Ohren stößt.
Aber wird das alles die Verlage retten? Ich meine nein!

Das Problem sind nicht die Angebote der Öffentlich-rechtlichen, das Problem sind die Verlage selber. Man muss die Angebote an den Markt anpassen und nicht versuchen den Markt an das eigene Angebot anzupassen. Im klassischen Printumfeld gibt es einen überschaubaren Markt. Während man in der Großstadt meistens die Wahl zwischen einer Handvoll Tageszeitungen hat, gibt es auf dem Land oftmals nur eine Lokalzeitung. Und die bestehen auch immer mehr aus dpa-Meldungen und abgedruckten Pressemitteilungen. Aber man hat ja keine Wahl.
Wenn wir uns nun im Netz umschauen, dort gibt es hunderte Seiten, auf denen man die aktuellen dpa-Meldungen finden kann – mehr oder weniger automatisiert. Zusätzlich gibt es immer mehr Angebote von “Bürgerjournalismus” (http://www.myheimat.de/ oder http://www.locally.de/ usw.) auf denen Vereine, Parteien usw. leichter, schneller und umfangreicher ihre Mitteilungen verbreiten können als in der Zeitung.
Dieser neuen Konkurrenz müssen sich die Verlage stellen. Jahrelang haben sie das getan, indem sie ihre Printangebote teilweise eins zu eins kostenlos ins Netz gestellt haben.
Doch in Zeiten in dem immer mehr (vor allem junge) Menschen einen Laptop, samt Breitbandanschluss haben, sinken die Abonnentenzahlen. Verständlich, denn warum soll ich für eine gedruckte Zeitung zahlen, wenn ich die gleichen Meldungen bereits am Vortag kostenlos im Netz lesen konnte.
Die Antwort darauf sind Paywalls, mit Werbung überfrachtete Seiten oder – wie neuerdings im Falle meiner Lokalzeitung der Günzburger Zeitung (gehört zur Augsburger Allgemeinen) – verkrüppelte Artikel. Da wird dann am späten Abend/Nachts ein mehr oder weniger langer Anreißer online gestellt mit dem Hinweis “mehr dazu lesen Sie (morgen) in Ihrer Günzburger Zeitung” (Beispiel)
Und da man private Konkurrenz schwerer los wird, stürzt man sich zusammen mit willigen Politiker zunächst auf ARD/ZDF. Um den “Qualitätsjournalismus” zu retten, da die Verleger sonst Pleite gehen würde. (vgl. DWDL.de 7.11.11)
Aber nicht nur ARD/ZDF sind den Verlegern ein Dorn im Auge. Sondern auch Google. Schließlich tauchen Teile der Artikel als Anreißer in der Suche auf und daneben ist Werbung zu sehen. Und davon bekommen die Verlage kein Cent ab. Welch eine Frechheit! Und auch die Blogger die auf Artikel verlinken zahlen auch nicht! Das soll ein Leistungsschutzrecht nach dem Willen der Verlage ändern. Man liefert (egal ob Blogger oder Google) den Verlagen Traffic (an dem Sie durch Werbung wieder verdienen) und soll dafür zahlen. Irgendwie krank.

Wir leben in einer Marktwirtschaft, wenn man ein Produkt am Markt vorbei produziert, dann geht man zwangsläufig unter. Das muss auch für Zeitungen gelten. Klar Onlinejournalismus ist ein schwieriger Markt in der sich rasend schnell verändert, was auch ich in den letzten zwei Jahren als Onlinechef von afk M94.5 feststellen durfte. Und noch schwerer ist es in diesem Markt Geld zu verdienen. Aber es ist möglich, man muss sich auf das konzentrieren was man kann. DWDL.de beweist dies eindrucksvoll.
Nun Apps als den Heilsbringer (oder im Falle der tagesschau-App den Henker) der Verlagsbranche zu sehen ist schlicht Blödsinn. Die Tageszeitung in ihrer aktuellen Form (und die Verlage dahinter) sind ein Auslaufmodell. Denn wenn ich Aktuelles aus Deutschland und aller Welt wissen will, dann besuche ich Spiegel Online oder tagesschau.de. Lokales bekommt man schneller bei Myheimat oder locally mit. Ob die Zeitung und die Verlage eine neue Rolle im digitalen Zeitalter finden? Man wird es sehen…

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist hingegen kein Auslaufmodell – er ist vielmehr auch ein Modell für die Zukunft – auch im Onlinebereich. Und zum Grundversorgungsauftrag gehört eben auch die Berichterstattung im Internet. In Audio, Video und TEXT. Aber auch nicht uferlos. Der Status Quo ist vom Umfang her (abgesehen vom Depublizierungwahnsinn) eigentlich genau richtig – inklusive Apps. Wo man ARD/ZDF hingegen in die Grenzen weisen muss, ist bei Sportrechten und der Verwaltung – aber das ist ein anderes Thema…

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